Mehr Schutz für die Freiwillige Wehr
Darmstädter Echo, 16.04.2010 Investitionsprogramm: Stadtrat Wenzel überreicht die verbesserte
Ausrüstung im Wert von insgesamt 200 000 Euro

In ihrer neuen Schutzkleidung zeigen sich (von links) Moritz Holl, Björn
Janssen, Benjamin Giesing und Ronny Schüttler. Foto: Claus Völker
Wirtschaftskrisen haben auch Vorteile für eine Stadt - wenn deswegen das
Land Hessen die neue Feuerschutzkleidung für die Freiwilligen
Feuerwehren Darmstadts bezahlt. Am Mittwoch übergab
Katastrophenschutzdezernent Dieter Wenzel (SPD) bei der Freiwilligen
Feuerwehr Arheilgen rund 200 Helme, Schutzjacken und -hosen im Wert von
200 000 Euro an die Wehren. Insgesamt wurde eine Million Euro aus dem
Landeskonjunkturprogramm in die Feuerwehren investiert, beispielsweise
in Abgasabsauganlagen für die Gerätehäuser.
,,Da die vorhandene
Feuerschutzkleidung mittlerweile in einen sehr schlechten Zustand und
ihrer Schutzwirkung nicht mehr sicher ist, freue ich mich, diese
verbesserte Ausrüstung überreichen zu können", sagte Wenzel. Die neuen
Helme sind schneller einstellbar und nicht mehr aus Aluminium, sondern
aus Kunststoff. Sie haben eine Lampe sowie zwei Visiere. Ein großes
schützt das ganze Gesicht, das kleinere ist groß wie eine Brille und
schützt die Augen.
Die neue Schutzkleidung ist eine
Weiterentwicklung der bisherigen, beschreibt Wehrführer Reinhold Mehm
von der Freiwilligen Feuerwehr Innenstadt. Knie- und Ellbogenbereiche
seien verstärkt, im Rückenbereich sei eine Polsterung, falls man
Atemschutzgeräte trägt. Im Rückenteil gebe es eine Rettungsschlaufe, an
der ein Feuerwehrmann im Notfall aus dem Gefahrenbereich gezogen werden
könne.
Auf die neue Schutzkleidung mussten die Freiwilligen
Feuerwehrleute lang warten. Zuletzt wurde 1996 welche angeschafft,
damals wurde die Ausrüstung im Rahmen einer Anschubfinanzierung vom Land
Hessen mitbezahlt. In der Regel halten die Einsatzklamotten zehn Jahre.
Darüber hinaus gehende Nutzungszeiten wie in Darmstadt sind aber
üblich. Bei der Berufsfeuerwehr sei die Beschaffung neuer Kleidung
anders organisiert, erklärte ihr Leiter Johann Braxenthaler, jeder
Feuerwehrmann regele das über sein Kleiderkonto.
Stadtbrandinspektor
Michael Horn lobte auf der anschließenden Delegiertenversammlung des
Stadt-Kreis-Feuerwehrverbandes den deutlichen Fortschritt bei der
Ausrüstung. Horn begrüßte, dass Feuerwehren und Kommunalpolitiker durch
die ,,Zukunftswerkstatt Feuerwehr" im vergangenen Jahr ins Gespräch
gekommen seien. Er wünschte sich eine ,,verlässliche und kontinuierliche
Planung" auch in Zeiten klammer Kassen.
Er lobte außerdem, dass
es nach Jahrzehnten, in denen nichts Substanzielles geschehen sei,
nun ersten Planentwürfe für einen Neubau der Freiwilligen Feuerwehr
Arheilgen und der Wache der Berufsfeuerwehr gebe, wo dann auch die
Freiwillige Feuerwehr Innenstadt untergebracht werden solle. Das sei
positiv, auch wenn die Umsetzung sicher noch einige Jahre brauche.
Kreisbrandinspektor
Ralph Stühling aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg setzte mit einer
kleinen Anmerkung die Landtagsabgeordneten Rafael Reißer (CDU) und Leif
Blum (FDP) in Bewegung. Stühling bedauerte, dass eine Bundesregelung,
die es Feuerwehrleuten erlaube, nach einer Schulung kleine
Feuerwehrfahrzeuge mit dem Autoführerschein zu fahren, in Hessen nicht
gelte. ,,Bis heute fehlt jede Umsetzung", sagte Stühling.
Blum
schickte eine SMS an den Verkehrsstaatssekretär und erfuhr, dass das
Innenministerium zuständig sei; Reißer hakte beim Innenministerium nach
mit dem Ergebnis, dass die Verordnung noch im Geschäftsgang sei und
wahrscheinlich bis Jahresmitte fertig ist.